Das bin ich

Ich habe sehr viel geschrieben und publiziert.
Es war keineswegs nur Literatur, es war auch Wissenschaftliches und Journalistisches.
Viele Jahre hindurch war ich Verlagsleiterin in meinem eigenen literarischen Verlag „Edition die Donau hinunter“.
Dieser Donaubezug ist mir geblieben.

 

Ruth Aspöck Mai 2014

 

 

Ruth Aspöck - Selbstportrait ~1960

Das Lebenswasser macht Wellen
und hebt einmal diejenige,
einmal eine andere
meiner Eigenschaften hervor.
Stets vorhanden bin ich als Frau und als wissbegieriger Mensch

 

Ich hätte gerne Medizin studiert,
ich wäre gerne Juristin geworden, Ethnologin, Historikerin, Übersetzerin.
Ich bin ein Zettel, der den Löwen auch spielen möchte.
Doch die Ökonomie hat meine Lebensgier gezähmt
und mich damit in die Normalität eingepasst.

 

ich wiederhole nicht, weil mir schnell langweilig ist.
Ich gönne mir stets die Arbeitslust
das Experiment, das meine Neugierde befriedigt.
Habe ich mich in einem Arbeitsbereich sehr gut ausgekannt,
hatte ich nichts Neues mehr zu lernen,
so wechselte ich meine Tätigkeit.

 

Ich lerne gerne.
Ich weiß, dass die ewige Wiederholung des Gleichen
in der Kunst und in der Wissenschaft
Erfolge bringt.
Das Geheimnis der guten und eingeführten Marke.
Ich bin jedoch keine Marke.
Ich bin Veränderung.
Meine größte Kunst ist mein Leben.

 

Eine Vertrautheit mit dem Tod kennzeichnet mich.
Ein Unfall, den ich als kleines Mädchen hatte
der Spuren in meinem Körper und meinem Geist zurückgelassen hat.
Das noch nicht ewige Wegtauchen ins Nichts
erzeugte meine Abwehr gegen alles, was das Bewusstsein lähmt.
Nie mehr hilflos Ausgeliefertsein!
Nie mehr ohne Wahrnehmung, wenngleich am Leben sein!
So war und bin ich frei von Suchtgefahr.

 

Ich gebe mir Gewicht und halte mich für wichtig.

 

(Aus: Selbstportrait. 30 AutorInnen texten und bilden ein Selbstportrait. Das Fröhliche Wohnzimmer Edition. Wien 2009)